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Freundeskreistreffen am 08.05.2018

Musikalischer Tausendsassa beim Freundeskreis

Zur gewohnten Zeit, am gewohnten Ort traf man sich, um sich mal wieder zu treffen und auszutauschen. Das Wetter war fantastisch, und alle, die schon etwas eher da waren, nutzten die Gelegenheit, um sich im Garten bei Cola, Eis, Kaffee, Kuchen oder einem erfrischenden Hopfengetränk auf die Veranstaltung vorzubereiten.

Um 16 Uhr war es auch soweit. Nach der Begrüßen durch unseren Vereinsvorsitzenden, Jörg Kramer, gab es einen Gedichtvortrag von Harald Böhme. Der Mai aus „Die 13 Monate“ von Erich Kästner. Passend zum aktuellen Monat, der dort als „Mozart des Kalenders“ betitelt wurde, gelang ihm damit auch die Überleitung zu Dorian Pfefferkorn. Kein Mozart, aber doch schon ein musikalischer Tausendsassa.

Dorian

Dorian ist der FSJ-ler im LPO. Wir, als Freundeskreis, ermöglichen es ihm, dieses Freiwillige Soziale Jahr zu erleben. Ja, erleben. Denn was er alles erlebt hat, davon berichtete er. Wie einmalig dieses FSJ beim LPO ist, dass er eigenverantwortlich arbeiten, kreativ sein kann, voll gefordert wird, seine Leistungen Beachtung und Anerkennung finden, dass er dem Freundeskreis dankbar ist, welcher ihm diese Möglichkeiten bietet.

Dorian erzählte uns von seinem musikalischen Werdegang und von seinen Zielen; dass er neben dem Schlagwerk auch noch Tuba, Bassgitarre und Klavier spielt und darüber hinaus Musikstücke arrangiert, erwähnte er nur so nebenbei – ein Alleskönner, Allrounder, Generalist, Multitalent, ein Tausendsassa eben.

Alles Multimedia

Höhepunkt war das multimediale Ereignis mit Dorian hoch 6! Hoch 6 soll heißen, dass er sechs verschiedene Percussionsinstrumente digital aufgenommen, rhythmisch synchronisiert und als Videoclip abgespielt hat. Er war auf der Leinwand zu sehen und zu hören und spielte dann noch live auf dem Xylophon „Tico Tico“. Sein 30-minütiger Vortrag verlief wie im Fluge, kurzweilig und sehr unterhaltsam. Als Zugabe erklang dann noch die Tritsch-Tratsch-Polka (op. 214) von Johann Strauss.

Danke Dorian für die interessanten Ausführungen. Der Freundeskreis wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, jungen Menschen die Chance für ein Freiwilliges Soziales Jahr zu ermöglichen.

Thomas Petersdorf

Mitglieder-Treff im April 2018

Am 3. April referierte unser Mitglied im Freundeskreis, Harald Böhme, beim Mitglieder-Treff im Restaurant „Alter Stadtwächter“ zum Thema „Potsdams Schlösser und seine Herrscher“

Harald Böhme
Harald Böhme

Er begann seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Immer, wenn ich in Ihre wunderschöne Stadt Potsdam komme, bin ich fasziniert von der Umgebung, den Bauten und den Schlössern. Ich beneide Sie und will Sie nicht mit Geschichtszahlen belasten, sondern erzählen, warum Ihre Stadt so einen besonderen Eindruck auf die Hohenzollern machte.“

Sodann begann er mit dem Stadtschloss:

Angefangen hat es im 17. Jahrhundert. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, verheiratet mit der oranischen Prinzessin Luise Henriette, hatte einen welterfahrenen Berater, Johann Moritz von Nassau-Siegen, der seinen Herrscher auf das herrliche Land aufmerksam machte und es als ein Paradies bezeichnete. Dieses Stadtschloss mit einem übersichtlich gegliederten Hauptbau und 2 niedrigen Seitenflügeln folgte der holländischen Bautradition. Um die Stadt herum wurde ein Kranz von Lustschlössern gebaut. Von diesen Lustschlössern ist nur das Schloss Caputh für die 2. Ehefrau des Großen Kurfürsten Dorothea (Giftmischerin) erhalten.

Potsdam wurde Fürstenstadt bis 1918. Der Bogen spannt sich von den Maßnahmen des eben erwähnten Großen Kurfürsten zur Landesverschönerung zu dem barocken Glanz König Friedrich I in Preußen. Als Zeichen seiner Königswürde ließ er von dem Architekten Jean de Boldt am Stadtschloss das Fortunaportal.

Der König liebte es mit seiner Luxusjacht Bootsfahrten von Schloss zu Schloss zu unternehmen. Selbst vom Schloss Charlottenburg in Berlin konnte man auf dem Wasserweg nach Potsdam gelangen und von dort weiter bis nach Caputh fahren. Der Sohn des 1. Königs, König Friedrich Wilhelm I, hatte mit Potsdam nichts im Sinn, bis auf die Schaffung des holländischen Viertels für die holländischen Glaubensflüchtlinge und dass jeder Hausbesitzer eine Dachkammer für seine „Langen Kerls“ zur Verfügung stellen musste. Er selbst residierte in den Wintermonaten im Berliner Stadtschloss und in den Sommermonaten im Jagdschloss Königswusterhausen, denn es musste während seiner Regierungszeit von 1713 bis 1740 der hinterlassene marode Staatshaushalt saniert werden. Ein Schloss wurde errichtet, nämlich das Jagdschloss am Stern, im holländischen Stil mit einem ausgedehnten Jagdrevier.

Gespanntes Lauschen
Gespanntes Lauschen

Einen Höhepunkt in der Stadtentwicklung setzte nun Friedrich II, später, nach dem siebenjährigen Krieg, der Große genannt, mit der Königin aller Potsdamer Schlösser, Schloss Sanssouci.

1744 ließ dieser König am sogenannten „Wüstenberg“ vor den Toren der Stadt einen Weinberg anlegen. Von der obersten Terrasse hatte man einen weiten Ausblick tief in die Havellandschaft hinein. Von 1745 bus 1747 wurde dieser herrliche Prachtbau von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtet, weil Friedrich II Potsdam als 2. Residenzstadt gewählt hatte und auch am Stadtschloss Umbauten durchführen ließ. Bedeutend sind der Marmorsaal (Mittagstafel), das Konzert- und Voltairezimmer, die Bibliothek, die Königswohnung. 1747 wurde die Orangerie nach den Plänen von Knobelsdorff gebaut, die später für Gäste als die Neuen Kammern durch Georg Christian Unger umgebaut wurden. Besonders erwähnenswert ist der Jaspissaal (Festsaal), der größte Raum.

Dieses Schloss sollte Ausdruck seiner Macht als „der Große“ sein, das Preußen trotz der 3 Kriege, besonders nach dem siebenjährigen Krieg, nicht untergegangen ist und die finanziellen Mittel auch vorhanden waren. Die berühmten Marmor- und Grottensäle und die wiederhergestellten Fürstenwohnungen und das Theater sind Zeugnisse von Pracht und Ruhm. Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II, wohnte mit seiner Familie jedes Jahr seiner Regentschaft von 1888 bis 1918 in den Sommermonaten dort, und Schloss Sanssouci war nur Schauplatz besonderer Festlichkeiten , u. a. der 90. Geburtstag des Hofmalers Adolph von Menzel. Im übrigen hat Königin Elisabeth-Christine nie das Schloss gesehen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Chinesische Teehaus, den Ruinenberg, das Belvedere auf dem Klausberg, den Freundschafts- und Antikentempel eingefügt in die weitläufige Parklandschaft.

König Friedrich Wilhelm II, der Neffe, auch Lüderjan genannt, hielt nicht viel von den Schlössern seines ungeliebten Onkels. Außerdem war eine neue Zeit im Baustil angebrochen, der Klassizismus, und so wollte er eine lauschige Residenz haben, um seinen amourösen Abenteuern nachzukommen.

Es wurde ein neuer Garten geschaffen, umgrenzt vom Jungfernsee, der Havel und dem Heiligensee, und so wurde zwischen 1787 und 1791 das Marmorpalais von Carl von Gontard geschaffen, die Gestaltung der Innenräume übernahm Gotthard Langhans mit entscheidender Beratung von Erdmannsdorf. Da auch die Pfaueninsel nicht weit weg lag (4 km) wurde 1794 das kleine Schloss vom Holzzimmermeister Brende besonders für die Gräfin Lichtenau errichtet. Später war es eines der Sommerlieblingsresidenzen der Königin Luise. Und somit sind wir auch schon bei ihrem Gatten, König Friedrich Wilhelm III. Dieser Monarch lebte mit der Familie sehr bescheiden, errichtete nur den Landsitz in Paretz, wohnte im Haus des Königs, das heutige Kronprinzenpalais Unter den Linden, bemühte sich aber mit Hilfe von Gilly und Schinkel den Bestand der Residenzen zu sichern und zu erhalten und erlaubte seinen Söhnen, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV Prinz Carl und späteren 1. Deutschen Kaiser, Schloss und Parkanlagen in und um Potsdam zu erschaffen. So entstanden Charlottenhof, Glienicke und Babelsberg. Schinkel und Lenné (Gartenarchitektur) waren die Geheimtipps, und da auch Friedrich Wilhelm IV, verheiratet mit einer bayerischen Prinzessin, Elisabeth, Tante der späteren Kaiserin Sissi, war auch zugleich ein Romantiker auf Preußens Thron und Architekturkenner der ideale Auftraggeber zu Stelle. Schloss Charlottenhof, genannt nach der früheren Eigentümerin des Landgutes Maria Charlotte von Gentzkow, wurde ab 1826 als Kronprinzenwohnung umgebaut mit seinen Erweiterungen bis ca. 1839 unter Schinkel und Persius.

Unweit vom Charlottenhof liegt die Gebäudegruppe der Römischen Bäder zwischen 1829 bis 1844. Auch Sanssouci erhielt Erweiterungen. Nahtlos fügten die neugestalteten Flügel sich an das Schloss an. Im Ostflügel wurde die neue großzügige Schlossküche untergebracht, der Westflügel war für Logierzimmer für Hofdamen und Fremde, als Damenflügel vorgesehen.

König Wilhelm I, der erst spätere Kaiser ab 1871, schuf keine neuen Schlösser mehr, er hatte sein Babelsberg, bewohnte es regelmäßig, sofern er nicht im Krieg war, in den Sommermonaten mit seiner Gemahlin Augusta aus dem Hause Weimar.
Die erste Phase war 1835 abgeschlossen, die zweite Bauphase begann 1840 und endete mit allen Zusatzbauten im Park von Babelsberg erst nach 1873, weil immer noch ein Gebäude, zum Schluss der Flatowturm, hinzukam. Fürst Pückler, der mit der Königin/Kaiserin befreundet war, ergänzte die Lennésche Parkanlage nach seinen Ideen. 1888, im März, starb Wilhelm I, und sein Sohn, der 99 Tage Kaiser, verheiratet mit Prinzessin Royal Viktoria von England, wählte den Ort Bornstedt als Sommersitz und ließ das Bornstedter Gutshaus nach ihrem Geschmack umbauen.

Tiefgreifende, von Aufträgen des Kaiserhauses getragene künstlerische Entwicklungen hat es in den Jahren zwischen 1871 bis 1918 nicht gegeben, bis auf das letzte Schloss Cecilienhof, von 1913 bis 1917 gebaut, zu Ehren der Kronprinzessin Cecilie im Neuen Garten, die vorher im Marmorpalais wohnten, wenn die Kronprinzliche Familie in Potsdam war. Architekt war Paul Schultze-Naumburg.

Nach dem 1. Weltkrieg und langen Verhandlungen gingen 75 Schlösser und Gärten in den Besitz des Staates Preußen über, 39 verblieben beim ehemaligen Königshaus. 1947 wurde von den Alliierten der Staat Preußen endgültig aufgehoben, dann kam 1949 die DDR, viele Bauten verfielen und der Glanz war erloschen. 1960 wurde das Stadtschloss gesprengt, und nun beginnt wieder mit vielen Mühen eine neue Ära; es bleibt noch viel zu tun, die Restaurierungsarbeiten werden sich bis in das nächste Jahrzehnt hinziehen.

Harald Böhme stand nach seinem mit viel Beifall bedachten Vortrag noch zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung.